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Forcierte Säkularität - Religiöser Wandel und Generationendynamik im Osten Deutschlands

of: Monika Wohlrab-Sahr, Uta Karstein, Thomas Schmidt-Lux

Campus Verlag, 2009

ISBN: 9783593407531 , 375 Pages

Format: PDF, Read online

Copy protection: DRM

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Price: 29,99 EUR



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Forcierte Säkularität - Religiöser Wandel und Generationendynamik im Osten Deutschlands


 

1. Einleitung: Säkularität und Religiosität im Osten Deutschlands - Zur Logik der Aneignung forcierter Säkularisierung
1.1 Säkularisierung im Osten Deutschlands: Ein ?erfolgreiches? Experiment
Im Hinblick auf den Prozess der Säkularisierung erscheint die Entwicklung im Osten Deutschlands wie ein riesiges Experiment, das in relativ kurzer Zeit unter Realbedingungen durchgeführt wurde. Im ersten Teil des Experiments ging es darum, wie und in welchem Maße es dem Staat gelingen würde, die kirchlichen und religiösen Bindungen und Überzeugungen der Bevölkerung zu minimieren. Vor diesem Hintergrund erscheint der Prozess, der gegenwärtig im Gange ist, wie der zweite Teil des Experiments: Die Frage ist nun, was geschieht, nachdem die säkularistische Politik an ihr Ende gekommen ist.
Was den ersten Teil des Experiments angeht, steht dessen Erfolg außer Zweifel: Es ist dem Staat gelungen, Kirchenmitgliedschaft, religiöse Praxis und Glaubensüberzeugungen der Bewohner auf einen weltweiten Tiefstand zu bringen. Ostdeutschland gehört zu den Regionen mit der niedrigsten Rate der Kirchenmitgliedschaft und dem höchsten Anteil von Personen, die sich selbst als 'Atheisten' bezeichnen (Zulehner/Denz 1994; Tomka/Zulehner 1999: 27; 2000). Im Hinblick auf die gegenwärtige Entwicklung - um im Bild zu bleiben: den zweiten Teil des Experiments - ist zu sagen, dass die Politik des Staates auch insofern erfolgreich war, als es ihr gelang, einen dauerhaften Effekt zu erzeugen. Was einige Beobachter, insbesondere aus dem kirchlichen Bereich, nach der deutschen Vereinigung erwarteten, dass nämlich Sekten und religiöse Bewegungen die ostdeutsche Bevölkerung überfluten und ?verführen? würden - eine Bevölkerung, die als gleichermaßen bedürftig nach Religion wie als unfähig angesehen wurde, die diversen Angebote zu beurteilen - trat offensichtlich nicht ein. Zwar hat sich die religiöse Landschaft in Ostdeutschland seit der Wiedervereinigung merklich pluralisiert - gemessen an den verschiedenen Gruppierungen, die mittlerweile Dependancen in ostdeutschen Städten haben (vgl. zum Beispiel re.form leipzig 2003) - dennoch scheint dieser Landstrich von der vielfach beschworenen 'Wiederkehr der Religion' (Graf 2004) insgesamt wenig berührt. Lediglich in den jüngeren Altersgruppen stellt sich die Sache mittlerweile etwas anders dar. Das lenkt die Aufmerksamkeit auf mögliche Generationenunterschiede und deren Dynamiken.
Durch die hartnäckige Säkularität des Ostens hat sich nach der Vereinigung auch die religiöse Verteilung in Gesamtdeutschland verschoben: Ein stabiles Drittel der Deutschen ist heute konfessionslos und - wenn auch damit nicht ganz deckungsgleich - etwa ein Drittel der Deutschen kann man auch als dezidiert 'nicht religiös' bezeichnen (Wohlrab-Sahr 2009). Die Religionspolitik der SED scheint daher - was ihre langfristigen Folgen angeht - eines der ?erfolgreichsten? Projekte der ehemaligen DDR gewesen zu sein. Das Experiment der nachhaltigen Säkularisierung scheint gelungen. Aber gibt es dann überhaupt noch etwas zu verstehen?